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Katholische Hörfunkarbeit
Dem Leid nicht ausweichen – Behindertes und krankes Leben annehmen

Ist das irre oder nur konsequent? Zwei australische Forscher plädieren für die Tötung von Neugeborenen, wenn diese schwere körperliche oder geistige Schäden haben. Sie haben sich das lange überlegt und im „Journal of medical ethics“ einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht. Ihre Argumentation: Der moralische Status eines Babys sei dem eines Fötus gleichzusetzen. Deswegen müsse in den Fällen, in denen eine Abtreibung erlaubt sei, auch die Tötung des Neugeborenen erlaubt sein, und zwar auch, weil nicht alle Schädigungen schon rechtzeitig im Mutterleib entdeckt werden könnten. „After birth abortion“ – nachgeburtliche Abtreibung nennen sie die Tötung Neugeborener. 

Die beiden Forscher haben in einem Punkt Recht. Der moralische Status eines Babys ist dem eines Fötus gleichzusetzen. Nur: Was für ein moralischer Status das ist, darüber gibt es einen großen Dissens. Die christlich-katholische Haltung ist klar. Dem Menschen kommt von Beginn an, also von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an die volle Menschenwürde zu. Damit steht die Kirche auch nicht allein. Dass dem Menschen alleine durch seine Existenz die volle Menschenwürde zukommt, wird nicht immer mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen begründet, wie es die Kirchen tun. Andere begründen dies mit der Gattungszugehörigkeit oder der Vernunftbegabung. Dem stimmen nicht alle zu. Der Bonner Staats- und Völkerrechtler Matthias Herdegen spricht zum Beispiel von der  "prozesshaften Betrachtung des Würdeschutzes mit entwicklungsabhängiger Intensität eines bestehenden Achtungs- und Schutzanspruches". Der Embryo hat da nicht den gleichen Schutz verdient wie ein ausgewachsener Mensch.

Ein solches Denken hat Konsequenzen, insbesondere in der Biomedizin. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das, was die australischen Forscher sagen, ein Tabubruch ist oder nur  eine weitere Grenzverschiebung. Unsere Gesellschaft besitzt kein einheitliches Welt- und Menschenbild mehr, sondern eine Pluralität von Weltanschauungen.

Was tun? Denkverbote gibt es nicht und soll es nicht geben. Es nützt auch nichts und schadet nur, wenn große verbale Keulen geschwungen werden. Immer dann zum Beispiel, wenn Bischöfe Vergleiche zwischen Abtreibungen und der Nazizeit zogen, wurde nur noch über diese Vergleiche diskutiert und nicht mehr über das eigentliche Thema:  den Schutz ungeborenen Lebens. Die australischen Forscher haben Morddrohungen erhalten. Das ist schlecht und böse. Was dann?

Erstens: Im Pluralismus der Weltanschauungen für die eigene Weltanschauung werben. Die muss gut begründet werden, auf wissenschaftlichem Gebiet durch die Moraltheologen zum Beispiel, die selbst wiederum Theologen ausbilden, die dann auch über das christliche Menschenbild predigen können. Es ist auch erlaubt und gut, sich für gesetzliche Regelungen einzusetzen, die dem Schutz des Lebens dienen. 

Aber am wichtigsten ist wohl das gute Beispiel. „Bei euch soll es anders sein“, sagte Jesus zu seinen Jüngern, als es ums Herrschen und Dienen ging. Bei den ersten Christen war dieses Anders-Sein so überzeugend, dass die anderen Menschen anfingen nachzufragen. Bei euch soll es anders sein heißt hier: Christen legen Zeugnis ab für den Wert des menschlichen Lebens von Anfang an und unabhängig von seinen Fähigkeiten, unabhängig auch von Gesundheit oder Krankheit. Sie tun das, in dem sie Kinder zur Welt kommen lassen, auch wenn sie befürchten, dass diese krank sind, auch wenn das Geld knapp ist. Sie tun das, in dem sie einander beistehen, besonders auch Müttern und Eltern, die kranke Kinder erwarten, die ein Kind erwarten, dass kein Wunschkind ist und sie zu überfordern droht. Sie tun das, in dem sie im Alltag bezeugen, dass kranke, behinderte Menschen die gleiche Würde haben wie gesunde, starke Menschen, in dem sie in die Gemeinden integriert und liebevoll begleitet werden. Nur dann kann die eigene Überzeugung auch andere überzeugen.


  


Über den Autor Klaus Böllert
Klaus Böllert ist Diplomtheologe und Journalist. Er arbeitet in der Stabsstelle Medien des Erzbistums Hamburg als Hörfunkredakteur und füllt als solcher die kirchlichen Sendeplätze beim NDR. Privat lebt er wenig auffällig, aber sehr glücklich mit Frau und zwei Kindern im Norden Hamburgs.

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